Der Heilige Koran – Wegweiser fürs Leben
Von: Bilal Ahmad Bajwa, Murabbi Silsila
Stellen Sie sich vor, Sie wählen mit größter Hingabe und Sorgfalt ein kostbares, unbezahlbares Geschenk aus. Sie verpacken es mit viel Liebe und überreichen es einem Menschen, der Ihnen unendlich am Herzen liegt. Ihr einziger Wunsch ist es, ihm damit die größte Freude seines Lebens zu bereiten und ihm etwas an die Hand zu geben, das ihn ein Leben lang schützt und bereichert. Doch was geschieht? Anstatt das Geschenk voller Dankbarkeit und Neugierde auszupacken, legt dieser Mensch es achtlos beiseite. Er lässt es in einer staubigen Ecke liegen, beachtet es jahrelang nicht oder vergisst es ganz. Wie tief würde Sie eine solche Gleichgültigkeit verletzen? Wie weh würde Ihnen das im Herzen tun?
Genau dieses Gleichnis beschreibt den schmerzhaften Zustand unserer heutigen Zeit: Gott der Allmächtige – unser Schöpfer, dessen Liebe zu Seinen Geschöpfen jedes menschliche Fassungsvermögen übersteigt – hat der Menschheit Sein vollkommenstes und wertvollstes Geschenk anvertraut: den Heiligen Koran. Doch wie behandeln viele Menschen, ja leider auch viele Muslime, dieses göttliche Geschenk? Sie lassen es ungeöffnet im Regal verstauben oder degradieren es zu einem reinen Dekorationsgegenstand. Gott der Allmächtige hatte diese Vernachlässigung bereits im Koran vorausgesagt:
„O mein Herr, mein Volk hat wirklich diesen Qurʼan von sich gewiesen.“ (25:31)
Und der Heilige Prophet Muhammad (SAW) prophezeite für die Endzeit:
„Es wird eine Zeit über mein Volk kommen, in der vom Islam nichts übrig bleibt als sein Name und vom Koran nichts als seine bloßen Worte.“
Als Ahmadi-Muslime haben wir durch die Gnade Allahs den Verheißenen Messias und Imam Mahdi, Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad (AS), angenommen und versprochen, den Glauben über alle weltlichen Dinge zu stellen. In einer von Hektik, Reizüberflutung und Sinnkrise geprägten Welt müssen wir uns daher der fundamentalen Frage stellen: Warum sollten wir dieses göttliche Buch jeden Tag aufschlagen? Welchen greifbaren Nutzen bringt der Heilige Koran unserem Geist, unserer Gesundheit, unseren Familien und der Gesellschaft?
Viele Menschen heute denken, der Koran sei nur ein veraltetes Buch aus dem 7. Jahrhundert. Doch werfen wir einen Blick darauf, was berühmte Denker, Dichter und Wissenschaftler sagen, die den Koran ganz ohne Vorurteile gelesen haben. Deutschlands größter Dichter, Johann Wolfgang von Goethe, studierte den Koran intensiv und schrieb voller Ehrfurcht in seinem West-östlichen Divan:
„Der Stil des Korans ist seinem Inhalt gemäß streng, groß, furchtbar, stellenweis wahrhaft erhaben … dieses heiligen Buches, das uns, so oft wir auch daran gehen, immer von neuem anwidert [im damaligen Sprachgebrauch: anfangs befremdet/überwältigt], dann aber anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung abnötigt.“
Auch der schottische Historiker und Philosoph Thomas Carlyle sagte über den Koran:
„Wenn Sie den edlen Qur‘ân lesen, merken Sie, dass er nicht ein gewöhnliches literarisches Werk ist. Der edle Qur‘ân ist ein Werk aus dem Herzen und spricht sofort alle Herzen an. Alle anderen Werke verblassen neben diesem Werk. Die erste auffällige Eigenschaft des edlen Qur’ân ist, dass er ein wahrer und perfekter Wegweiser und ein ehrlicher Führer ist. Dies ist meines Erachtens die größte Vortrefflichkeit des edlen Qur’ân. Und diese Vortrefflichkeit eröffnet viele weitere.“
Ebenso hielt die italienische Orientalistin Prof. Laura Veccia Vaglieri in ihrem Werk Apologie des Islams fest, dass der Koran ein unbestreitbares, zeitloses Wunder sei, da kein menschlicher Verstand ein Werk von solch fehlerfreier Gesetzgebung, sprachlicher Perfektion und moralischer Tiefe hervorbringen könne.
Der renommierte französische Mediziner Dr. Maurice Bucaille stellte in seinen wissenschaftlichen Analysen erstaunt fest, dass die naturwissenschaftlichen Aussagen des Korans – von der Kosmologie bis zur Embryologie – völlig frei von den Irrtümern der antiken Welt sind und exakt mit modernen Entdeckungen harmonieren. Wenn selbst nicht-muslimische große Denker und Gelehrte vor der Genialität dieses Buches kapitulieren: Wie können wir dann als Gläubige an diesem Meisterwerk achtlos vorübergehen?
Um die Notwendigkeit dieses Buches zu verstehen, genügt ein Blick auf unsere Natur: Der Mensch ernährt seinen physischen Körper mehrmals täglich. Verweigert man dem Körper die Nahrung, verkümmert er. Warum glauben wir dann, unsere Seele könne überleben, wenn wir sie wochenlang hungern lassen? Das rituelle Gebet (Namaz) ist der Moment, in dem der Mensch zu Gott spricht. Der Koran hingegen ist der Moment, in dem Gott direkt zum Menschen spricht. Ein Verhältnis, in dem nur eine Partei redet, bleibt ein Monolog. Erst durch die tägliche Rezitation des Heiligen Koran wird die Religion zu einer lebendigen, zweiseitigen Freundschaft mit dem Schöpfer. Der Verheißene Messias (AS) gibt uns dazu ein gewaltiges Versprechen:
„Der Koran kann das Herz eines Menschen innerhalb einer Woche reinigen, wenn man ihn wirklich nach Geist und Buchstaben befolgt. Der Koran kann dich den Propheten gleichmachen – solange du nicht selbst vor ihm fliehst.“
Dabei ist der Koran keineswegs schwer zugänglich, denn Gott selbst bekräftigt:
„Wir haben den Qurʼan leicht gemacht, danach zu handeln. Ist also einer, der ermahnt sein mag?“ – (54:18)
Zudem belohnt Gott jede noch so kleine Bemühung. Der Prophet Muhammad (SAW) lehrte, dass jeder gelesene Buchstabe zehnfach vergolten wird:
„Alif ist ein Buchstabe, Lam ist ein Buchstabe, Mim ist ein Buchstabe.“
Schon drei Buchstaben schenken dreißigfachen Lohn – eine göttliche Großzügigkeit, die uns Tag für Tag motivieren sollte.
Diese Motivation wächst umso mehr, wenn wir erkennen, wie umfassend dieses Buch wirkt: Allah bezeichnet den Heiligen Koran als eine Heilung und Barmherzigkeit. Diese Heilkraft entfaltet sich auf zwei klar unterscheidbaren Ebenen. Einerseits bewirkt er die spirituelle und moralische Genesung der Seele. Zur Zeit der Offenbarung war Arabien ein moralisches Trümmerfeld, geprägt von Götzendienst, Blutrache, Verzweiflung und Sittenlosigkeit. Der Verheißene Messias (AS) beschrieb dies treffend:
„Die Arabische Halbinsel war die Heimat von Leidenden aller Art, die an jeder spirituellen Krankheit litten, welche die Menschheit damals und in künftigen Generationen befallen sollte.“
Der Koran vollzog die größte spirituelle Operation der Weltgeschichte: Er erweckte geistig Tote zum Leben und formte aus verrohten Menschen gottesfürchtige Heilige. Wer heute unter Zukunftsangst, seelischer Leere oder Sündhaftigkeit leidet, findet im Koran das stärkste Heilmittel zur Wiederbelebung des Herzens.
Andererseits schenkt der Koran auch physische Heilung für den Körper. Schon zu Lebzeiten des Propheten (SAW) wurde überliefert, wie ein Stammesführer von einem tödlichen Schlangenbiss durch die Rezitation der Sure Al-Fatiha geheilt wurde. Hadhrat Hakim Maulvi Nooruddin (RA), der Erste Kalif der Ahmadiyya-Gemeinde und ein brillanter Arzt, bezeugte aus seiner jahrzehntelangen Praxis:
„Ich habe bei zahllosen Patienten Al-Hamd (die Sure Al-Fatiha) mit aufrichtigem Gebet rezitiert und durch die Gnade Allahs wurden sie geheilt.“
Moderne Untersuchungen – wie das Power of Prayer Research Project – belegen diesen psychosomatischen Zusammenhang: Die rhythmische Rezitation und das meditative Gebet senken nachweislich Stresshormone (Cortisol), regulieren den Blutdruck und bauen Angstzustände sowie Depressionen messbar ab.
Doch die heilsame Wirkung des Korans beschränkt sich nicht nur auf das Gebet. Er schützt unser Wohlbefinden auch ganz praktisch durch Seine zeitlosen Lebensregeln. Denn der Koran enthält unveränderliche Gesetze, die für jeden Lebensbereich und für alle Zeiten gelten, wie Allah selbst bekräftigt:
„Worinnen die ewigen Gebote sind.“ – (98:4)
Dass diese göttlichen Gebote bis heute der beste Kompass für unser Leben sind, sehen wir sofort, wenn wir auf moderne Alltagsfragen blicken, allen voran das Thema Gesundheit und Ernährung. In unserer Zeit herrscht beispielsweise in Gesundheits- und Lifestyle-Fragen ein heilloses Durcheinander. Jeden Monat treiben Trends neue Extremdiäten hervor: Die einen fordern den totalen Verzicht auf tierische Produkte (Veganismus), andere verbannen alle Kohlenhydrate (Keto / Carnivore), wieder andere schwören auf Low-Fat oder Intervallfasten. Die Menschen experimentieren an ihren Körpern herum und bleiben oft frustriert zurück. Der Heilige Koran formulierte dagegen vor über 1.400 Jahren das vollkommene, zeitlose Prinzip:
„Esset und trinket, doch überschreitet das Maß nicht!“ – (7:32)
Der Koran verfällt in keine Extreme: Einerseits verlangt er, dass Nahrung Halāl und Ṭayyib sein muss, das heißt bekömmlich, unverdorben, nahrhaft und ehrlich erworben, während schädliche Substanzen wie Alkohol, Drogen, Aas und Schweinefleisch untersagt sind, da sie Körper und Geist vergiften. Andererseits lehrt er I‘tidāl, das richtige Maß, wonach der maßvolle Verzehr von Fleisch gestattet ist, um Willenskraft, Entschlossenheit und Vitalität zu fördern, Völlerei jedoch strikt verurteilt wird, um Trägheit und Zivilisationskrankheiten abzuwenden. Hierin liegt eine fundamentale spirituelle Wahrheit: Nahrung formt die Moral.
„O ihr Gesandten, esset von den reinen Dingen und tut Gutes. Wahrlich, Ich weiß recht wohl, was ihr tut.“ – (23:52)
Wer seinen Körper mit unreinem Essen nährt oder sein Geld durch Zinsen, Betrug und Unehrlichkeit verdient, dessen Herz verhärtet sich. Ein solches Herz verliert das Schamgefühl und wird taub für das Gebet. Wer sich hingegen von ehrlich verdientem Geld und reiner Nahrung ernährt, dessen Herz bleibt weich, lebendig und erfüllt von Licht und Liebe zum Guten.
Ob es um die Gesundheit unseres Körpers geht, um den tiefen Frieden unserer Seele oder um die richtige Orientierung im Alltag, all dies sind nur einige wenige Einblicke in den unerschöpflichen Ozean göttlicher Weisheit. Es gäbe noch unzählige weitere Aspekte aufzuzählen, warum der Koran für unser Dasein unverzichtbar ist. Doch die Wahrheit ist: Selbst wenn wir unser gesamtes Leben einzig und allein dieser Aufgabe widmen würden, würde eine einzige Lebensspanne niemals ausreichen, um alle Segnungen, Tiefen und Vorzüge des Heiligen Korans vollständig zu erfassen. Genau deshalb müssen wir erkennen, wie lebenswichtig es für jeden einzelnen von uns ist, den Heiligen Koran täglich zur Hand zu nehmen, seine Botschaft zu verstehen und seine Lehren ganz praktisch im Alltag umzusetzen.
Der Heilige Koran ist somit unsere geistige Arche Noah – die unfehlbare Bedienungsanleitung für ein gelingendes, gesundes und friedvolles Leben. Räumen wir daher die Ausreden beiseite: Niemand kann behaupten, keine Zeit zu haben. Eine Viertelstunde am Tag entspricht gerade einmal einem Prozent unserer täglichen Lebenszeit. Wer Gott dieses eine Prozent widmet, dem schenkt Gott Segen und geistige Klarheit für die restlichen 99 Prozent.
Lassen wir das unbezahlbare Geschenk unseres Schöpfers nicht länger im Regal verstauben: Lesen wir täglich und machen wir die Rezitation des Heiligen Koran nach dem Fajr-Gebet zu einem unverzichtbaren Termin mit unserem Schöpfer. Lesen wir stets mit Verständnis, indem wir die arabischen Verse rezitieren und unmittelbar die Übersetzung sowie die Exegese studieren, damit das Wort Gottes direkt zu unseren aktuellen Lebensfragen spricht. Und schließlich: Leben wir den Koran vor, indem wir seine Werte der Barmherzigkeit, Sanftmut und Gerechtigkeit in unsere Ehen, Familien und an unsere Arbeitsplätze tragen.
Möge Allah der Allmächtige uns befähigen, wahre Liebhaber und aufrichtige Befolger des Heiligen Korans zu werden und Seine göttlichen Perlen in unserem Alltag erstrahlen zu lassen.
Āmīn
